Und stehe auf von den Toten – Nicholas LessingRezension zum zweiten historischen Krimi um Prospero Lambertini
Der zweite Kriminalfall, der vom späteren Papst Benedikt XIV. im Jahr 1701 gelöst werden muss, besticht erneut durch Intelligenz, Charme und viel mythischer Spannung.
Mit Kriminalreihen ist das ja immer so eine Sache. Vor allem, wenn sie auch noch historisch verankert sind. Zum einen müssen natürlich die geschichtlichen Fakten stimmen, zum anderen benötigt man aber auch einen Helden mit großem Wiedererkennungswert, der von den Lesern gemocht wird. Gleichzeitig darf man als Verfasser aber bei den verschiedenen Kriminalfällen nicht nach Schema F verfahren, da es sonst ganz schnell langweilig wird. Langeweile kommt bei den historischen Krimis von Nicholas Lessing bestimmt nicht auf, denn sein Held Prospero Lambertini, der spätere Papst mit Namen Benedikt XIV., ist nicht nur unheimlich gewieft und sympathisch (und dementsprechend menschlich), sondern muss in „Und stehe auf von den Toten“ einen gänzlich anderen Fall lösen als in seinem ersten Abenteuer „Sein Blut komme über uns“. Zudem gelingt es Lessing erneut, gut recherchierte Fakten über das Rom im frühen 18. Jahrhundert mit fiktiven Handlungselementen zu verbinden. Einmal ganz davon abgesehen, dass er auch noch die Anfänge einer mythischen Legende plausibel einzubinden weiß. Verschwundene Mädchen in „Und stehe auf von den Toten“Nur knapp ein Jahr nach seinem ersten Kriminalfall steht Prospero Lambertini, seines Zeichens als Hilfsauditor der Rota für die Heiligsprechungsverfahren der Kurie zuständig, vor einem neuen Rätsel: Cäcilia, die Schwester seines Freundes Velloni, verschwindet während des römischen Karnevaltrubels im Jahr 1701 spurlos. Eigentlich müssten sich Prospero und sein Vorgesetzter Alessandro Caprara ja um eine vom Papst erzwungene Heiligsprechung kümmern, aber schnell kommt heraus, dass Cäcilia nicht das einzige verschwundene Mädchen ist. Die Opfer haben alle gewisse Gemeinsamkeiten. Sie sind jung und schön. Und Jungfrauen. Gemeinsam mit seinem priesterlichen Freund Graf Sylvio Valenti Gonzaga, fängt Prospero an zu ermitteln. Natürlich nicht ohne die Hilfe des jüdischen Arztes Benjamin und Rabbi Corcos - beides gute Bekannte aus dem ersten Band „Sein Blut komme über uns“. Vampire und adlige TatverdächtigeAls die ersten blutleeren Mädchenleichen im Fluss gefunden werden, macht sich in Rom das Gerücht breit, dass Vampire in der Stadt ihr Unwesen treiben. Prospero, halb belustig, halb fasziniert, weiß nicht, was er von diesen mythischen Gestalten halten soll, vermutet letztlich aber Menschen hinter den grausamen Taten. Schließlich gibt es ja genügend Verdächtige. Da wäre zum Beispiel der junge David von Fünen aus Prag, der Cäcilia als letzter gesehen hat. Nur zu gerne würde Prospero Lambertini den Ausländer als Mörder überführen, denn immerhin ist er auch der Verlobte seiner großen (und unglücklichen) Liebe Deborah – der Tochter von Rabbi Corcos. Neben von Fünen sind aber auch der deutsche Gesandte Graf Berthold von Stamitz und dessen Frau Maria Konstanza ziemlich suspekt. Bevor sich Prospero allerdings ein klares Bild machen kann, geschieht Unfassbares: Deborah wird entführt. Kann der junge Geistliche seine Geliebte noch rechtzeitig retten, oder wird sie das nächste Opfer der vermeidlichen Vampire? Nicholas Lessing macht es spannendIn einem wilden literarischen Zickzack präsentiert Nicholas Lessing in „Und stehe auf von den Toten“ einen Verdächtigen nach dem nächsten. Das könnte sehr verwirrend sein, wenn er dabei nicht konsequent logisch vorgehen würde. Trotzdem muss man als Leser lange rätseln, wer denn nun der wahre Täter ist. Das ist derart spannend und rasant, dass man das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Bei so viel erzählerischem Geschick kann man sich bereits jetzt auf den nächsten Fall von Prospero Lambertini freuen, den er hoffentlich bald zu lösen haben wird. Nicholas Lessing: Und stehe auf von den Toten. Heyne 2009. Taschenbuch, 400 Seiten. Euro 8,95.
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